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Sehr geehrte Damen und Herren,
Theater lebt von der Neugierde. Nur der lebt wirklich, der immer wieder neugierig ist auf fremdes Leben, auf die Meinungen und Ideen und Lebensgeschichten der Leute neben ihm, der sich wirklich interessiert für das, was dem anderen widerfahren ist – und das Theater ist der Raum dafür. Theater erzählt Lebensgeschichten in komprimierter Form, so hoch verdichtet, dass in jedem einzelnen Stück ganz viele Erlebnisse sind, und so, dass wir vielleicht unsere eigene Geschichte darin wiedererkennen können. Wenn uns jemand, der weit herumgekommen ist im Leben, einen Abend lang erzählt, wie es ihm ergangen ist, was er erlebt hat und gehofft und erlitten – und wir sitzen mit offenem Mund und großen Augen daneben und hören zu und freuen uns mit ihm und erschrecken mit ihm und leiden mit: Das ist Theater – und wenn wir dann herausgehen, haben wir noch die ganze Nacht davon zu erzählen und sind immer noch aufgeregt oder wütend oder zufrieden.
Ihr Dr. Ingolf Huhn |